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Wissenschaftliche Publikationen 2020

Die Kliniken Buchinger Wilhelmi blicken heute auf eine 100-jährige klinische Erfahrung in der Durchführung von Fastenprogrammen zurück.

Im diesem Jahr wurden vier wissenschaftliche Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften publiziert, die die positiven Auswirkungen des Fastens auf den Bluthochdruck, den oxidativen Stress und die Langlebigkeit untermauern.

  1. Verbesserung des Bluthochdrucks – „Blood pressure changes in 1610 subjects with and without antihypertensive medication during long-term fasting” Journal of the American Heart Association, 23.11.2020
    Das Buchinger Wilhelmi-Fastenprogramm (4–41 Tage, im Durchschnitt 10 Tage) führte in unserer bislang größten Kohorte von 1610 Studienteilnehmern zu einer deutlichen Senkung des Bluthochdrucks sowohl bei Patienten, die medikamentös behandelt, als auch bei denen, die nicht medikamentös eingestellt waren. Die Einnahme blutdrucksenkender Mittel, die häufig Nebenwirkungen mit sich bringt, konnte meist gestoppt oder reduziert werden. Längere Fastenperioden senkten den Blutdruck effektiver als kürzere. Die Publikation ist ein Meilenstein zur Anerkennung des Buchinger Wilhelmi-Fastens in der wissenschaftlichen Welt.
  1. Review über das Fasten und die Fastenforschung – „Unravelling the health effects of fasting: a long road from obesity treatment to healthy life span increase and improved cognition” Annals of Medicine, 13.05.2020
    Der Artikel gibt einen Überblick der therapeutischen Fastenanwendungen mit seinen vielfältigen, gesundheitsfördernden Wirkungen in den letzten Jahrzehnten bis heute.
    Während in den 1960er- und 1970er-Jahren eine extreme Form des Fastens, die Nulldiät, zur Behandlung massiv übergewichtiger Patienten über mehrere Wochen oder Monate eingesetzt wurde, dient das Fasten seit Beginn des 21. Jahrhunderts immer häufiger der Verlängerung der gesunden Lebensspanne. Das ist gleichzusetzen mit einem Schutz vor altersbedingten Krankheiten wie Diabetes Typ 2, kardiovaskulären, degenerativen und entzündlichen Erkrankungen. Kurzes und langes Fasten aktiviert die Autophagie und führt zu einer Regeneration von Gewebszellen und Zellstrukturen. Außerdem führt es zu erhöhter Wachsamkeit und verbessert die kognitiven Fähigkeiten. Der Schlüsselmechanismus ist der sogenannte Metabolic Switch: das Umschalten des Stoffwechsels von der Verwertung der mit der Nahrung zugeführten Glukose auf die Nutzung von Fett und Ketonkörpern aus den körpereigenen Fettgeweben. Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Prof. Massimiliano Ruscica und Prof. Cesare Sirtori, Lipidexperten am Dyslipidemia Center der Universitätsklinik Niguarda in Mailand.
  1. Erhöhung des antioxidativen Status 1: „Influence of Long-Term Fasting on Blood Redox Status in Humans“. Antioxidants, 04.06.2020
  2. Erhöhung des antioxidativen Status 2: „Interplay between oxidative damage, the redox status, and metabolic biomarkers during long-term fasting”. Food and Chemical Toxicology, 25.08.2020
    Wir untersuchten an 109 Personen die Auswirkungen eines 10-tägigen Fastens nach dem Buchinger Wilhelmi-Programm auf den antioxidativen Status. Oxidativer Stress entsteht tagtäglich durch die physiologische Zellatmung, aber auch durch Strahlungen und allerlei Umweltgifte wie Pestizide, Zigarettenrauch, oder die Einnahme von Medikamenten und wird durch Antioxidantien neutralisiert. Trotz der fastenbedingt unterbrochenen Zufuhr von Antioxidantien aus der Nahrung erhöhte sich während des Fastens die antioxidative Gesamtkapazität im Blut. Zudem konnten wir zeigen, dass sich gesundheitsschädliche oxidative Angriffe auf Zellstrukturen, die aus Lipiden bestehen – wie beispielsweise Membranen –, durch das Fasten reduzierten. Neben den antioxidativen Parametern verbesserten sich auch Stoffwechselparameter wie LDL-Cholesterin, Triglyzeride, Blutzucker und Insulin sowie Körpergewicht und Taillenumfang. Parallel hierzu stiegen das emotionale Wohlbefinden und das Energieniveau der Fastenden. Aus der Kooperation mit Prof. Demetrios Kouretas, dem Leiter der toxikologischen Abteilung der Universität Thessalien in Griechenland, sind zwei Publikationen hervorgegangen.

Weitere wissenschaftliche Forschungsprojekte sind derzeit in Arbeit und befassen sich unter anderem mit den Wirkungen des Langzeitfastens auf die Muskelfunktion und die Lipoproteine, die einen Einfluss auf Herz- und Gefäßerkrankungen haben.