VON DATEN ZUR PRAXIS: IHR KOMPASS IM FASTEN – DEZEMBER 2025
Diesen Monat in der Fastenforschung:
Was unsere wichtigsten Erkenntnisse sind
Die Forschung rund um das Fasten entwickelt sich dynamisch weiter. Neue Studien erweitern nicht nur unser Verständnis über die Potenziale des Fastens, sondern geben auch Einblicke in grundlegende Abläufe des menschlichen Stoffwechsels. Die jüngsten Arbeiten aus der präklinischen und klinischen Forschung betonen drei Themen, die für die Zukunft besonders relevant erscheinen.
1) Die Bedeutung von Timing und Rhythmus:
Erkenntnisse aus der präklinischen Forschung
Studien an Nagetieren ermöglichen es, langfristige Auswirkungen von Ernährungs- und Fasteninterventionen abzubilden – Entwicklungen, die beim Menschen nur schwer zu erfassen sind. Richtig interpretiert liefern diese Modelle wegweisende Hinweise für Humanstudien.
Mehrere neue Ergebnisse unterstreichen die Relevanz von Dauer und Regelmäßigkeit:
- Langfristige Kalorienreduktion schützte bei weiblichen Mäusen die ovarielle Reserve und verbesserte die Insulinsensitivität – deutlich stärker als kurze Phasen der Einschränkung. Die positiven Effekte hielten jedoch nur an, wenn die Reduktion kontinuierlich erfolgte.
- In einer weiteren Studie stabilisierte zeitlich begrenztes Essen bei adipösen Ratten den gestörten Immunrhythmus im Gehirn – selbst wenn tiefere Stoffwechselstörungen bestehen blieben.
- Eine dritte Langzeituntersuchung zeigte, dass der Körper während anhaltender Kalorienreduktion lebenswichtige Organe bevorzugt versorgt, die Knochengesundheit unterstützt und Energie in weniger zentralen Bereichen einspart.
Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Körper besonders gut auf konsistente, rhythmische Fastensignale reagiert und bieten damit einen wertvollen Ansatzpunkt für zukünftige Untersuchungen zu gesundem Altern und Fruchtbarkeit.
2) Individuelle Unterschiede: Warum personalisiertes Fasten immer wichtiger wird
Fasten wirkt bei vielen Menschen positiv, aber nicht jeder reagiert gleich. Die neuen Studien heben hervor, dass der individuelle Kontext maßgeblich darüber entscheidet, welche Effekte entstehen:
- Menschen mit primärer Nebenniereninsuffizienz hatten während des Ramadanfastens trotz medizinischer Betreuung häufig mit Unterzuckerung und starker Müdigkeit zu kämpfen – ein deutlicher Hinweis darauf, dass manche Krankheitsbilder längere Nahrungspausen weniger gut tolerieren.
- Postmenopausale Frauen mit Bluthochdruck und Adipositas profitierten unter einer sehr kalorienarmen ketogenen Ernährung von klaren Verbesserungen der Herzstruktur und der zellulären Gesundheit – eine Bevölkerungsgruppe, die bislang in der Forschung wenig berücksichtig wurde.
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Neue Erkenntnisse zur metabolischen Individualität helfen auch zu erklären, warum die Ergebnisse so unterschiedlich ausfallen. Manche Menschen verlieren deutlich mehr Gewicht als andere, selbst wenn sie die gleiche kalorienreduzierte Ernährung einhalten. Ihr Organismus scheint flexibler zu sein und sich besser anpassen zu können. Ähnlich zeigte eine Studie zur Remission von Typ-2-Diabetes, dass bereits geringe Unterschiede in DNA-Markern vorhersagen konnten, wer auf eine sehr kalorienarme Intervention ansprechen würde. Ein einfacher Marker für die Zellgesundheit, der sogenannte Phasenwinkel, trug in einer weiteren Studie ebenfalls dazu bei, den Erfolg der Behandlung vorherzusagen.
Die Zukunft des Fastens wird personalisiert sein – auf Basis individueller Biomarker und abgestimmt auf die persönliche gesundheitliche Situation.
3) Der Körper als vernetztes System: Fasten wirkt nie isoliert
Moderne Forschung betrachtet den Körper zunehmend als fein abgestimmtes Netzwerk. Die jüngsten Ergebnisse verdeutlichen, wie eng Prozesse miteinander verwoben sind:
- Menschen, die während der Kalorienrestriktion körperlich aktiv bleiben, können Muskelkraft und Stoffwechselgesundheit besser aufrechterhalten – ein Effekt, der sich mit unseren eigenen klinischen Erfahrungen deckt.
- In der Onkologie wurde gezeigt, dass Tumorzellen bei Nährstoffmangel kooperieren, indem sie Proteinbausteine miteinander austauschen. Eine reine Kalorienreduktion allein reicht daher nicht aus, um Tumore gezielt auszuhungern.
- Die Mikrobiomforschung entwickelt sich ebenfalls weiter: Anstelle einzelner Bakterien stehen funktionelle Gruppen im Fokus, die gemeinsam wirken, stabilere Blutzuckerverläufe unterstützen und gesunde Tagesrhythmen fördern.
- Blut von jungen, intermittierend fastenden Ratten reduzierte bei älteren Tieren Entzündungen und verbesserte die Darmstruktur – ein Hinweis darauf, dass Fasten systemische Signale erzeugt, die viele Gewebe erreichen.
Die zentrale Erkenntnis lautet: Fasten wirkt über biologische Netzwerke, nicht über einzelne Mechanismen. Ein systemischer Blick ermöglicht neue und verbesserte therapeutische Möglichkeiten.
Ausblick: Woran unser Forschungsteam derzeit arbeitet
Unser Anspruch ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie die praktische Anwendung des Fastens sicher, wirksam und verständlich unterstützen. Derzeit führen wir in unserer Klinik in Marbella eine Studie zur körperlichen Aktivität während des Fastens durch – basierend auf früheren Daten, die zeigen, wie entscheidend Bewegung für die Erhaltung der Muskelgesundheit ist. Mithilfe von DEXA-Scans erfassen wir Veränderungen der Körperzusammensetzung deutlich präziser und können zukünftige Programme noch individueller abstimmen. Wie immer beobachten wir die internationale Forschung aufmerksam, um zu einem fundierten und evidenzbasierten Verständnis von Fasten und Stoffwechselgesundheit beizutragen.

Was Sie für sich mitnehmen können
Unsere wissenschaftliche Mission besteht darin, neue Erkenntnisse in praktische Empfehlungen zu übersetzen, die sicheres und wirksames Fasten unterstützen.
Derzeit führen wir in Marbella eine Studie zur körperlichen Aktivität während des Fastens durch, basierend auf früheren Forschungsergebnissen, die zeigen, dass Bewegung dazu beiträgt, die Muskelgesundheit zu erhalten. Zudem setzt die Klinik DEXA-Scans ein, um ein genaueres Bild der Veränderungen in der Körperzusammensetzung zu erhalten. Auf dieser Grundlage können wir unsere Programme weiter verbessern.
Wie immer werden wir neue Forschungsergebnisse aufmerksam verfolgen – mit dem Ziel, zu einem präziseren und evidenzbasierten Verständnis von Fasten und Stoffwechselgesundheit beizutragen.
Dr. Robin Mesnage ist wissenschaftlicher Direktor der Buchinger Wilhelmi Kliniken und dokumentiert in Studien die Wirkungen des Fastens, während er moderne Diagnostik in die Therapie integriert. Als Research Fellow am King’s College London erforscht er die Rolle des Darmmikrobioms für die Vorteile pflanzlicher Ernährung. Er berät Behörden – u. a. die französische Regierung und gelegentlich das Europäische Parlament – zur Regulierung chemischer Schadstoffe und ist ein gefragter Redner. Über 100 Publikationen mit mehr als 8.000 Zitationen zählen ihn zu den weltweit 1 % meistzitierten Forschenden im Bereich Umwelt und Gesundheit.







