Therapeutisches Fasten und Parkinson-Krankheit: Was aktuelle Forschungsergebnisse erkennen lassen
Kann therapeutisches Fasten Menschen mit Parkinson helfen? Ein neuer ARTE-Dokumentarfilm geht dieser Frage anhand der persönlichen Erfahrung einer Patientin nach. Zugleich liefert die aktuelle wissenschaftliche Forschung ermutigende Hinweise darauf, welche Rolle das Fasten möglicherweise beim Umgang mit Symptomen spielen kann.
Eine persönliche Erfahrung im ARTE-Dokumentarfilm
Im ARTE-Dokumentarfilm Les bienfaits du jeûne thérapeutique berichtet Martine Willot über ihr Leben mit der Parkinson-Krankheit und darüber, welche Rolle therapeutisches Fasten in ihrem Leben spielt.
Martine hat regelmäßiges Fasten in ihren Alltag integriert, darunter auch medizinisch begleitete Fastenaufenthalte bei Buchinger Wilhelmi. Sie beschreibt positive Veränderungen, die sie beim Umgang mit ihren Symptomen erlebt hat.
Ihre Geschichte wirft eine wichtige Frage auf: Könnte therapeutisches Fasten Menschen mit Parkinson zusätzlich unterstützen?
Individuelle Erfahrungen können keine klinische Wirksamkeit belegen. Neuere Forschungsergebnisse geben jedoch Anlass, diese Möglichkeit weiter zu untersuchen.

Was sagt die aktuelle Forschung?
In einer aktuellen Pilotstudie untersuchten Forschende der Universität Luxemburg, der Charité Berlin und weiterer europäischer Einrichtungen die Auswirkungen von längerem Fasten mit anschließender zeitlich begrenzter Nahrungsaufnahme bei 31 Patientinnen und Patienten mit Parkinson.
Die Teilnehmenden fasteten sieben Tage lang und nahmen dabei höchstens 350 Kalorien pro Tag zu sich. Anschließend folgten zwölf Monate mit zeitlich begrenzter Nahrungsaufnahme, bei der die Mahlzeiten innerhalb eines täglichen Zeitfensters von acht Stunden eingenommen wurden.
Die vorläufigen Ergebnisse waren ermutigend.
Die Forschenden beobachteten Verbesserungen motorischer Symptome, darunter Bewegungsprobleme, Steifigkeit und Zittern, sowie einen Rückgang bestimmter nicht motorischer Symptome. Auch bei den Messwerten für Angst und Depression wurden Verbesserungen berichtet.
Bemerkenswert ist, dass bei der Nachuntersuchung nach zwölf Monaten in mehreren klinischen Bewertungen weiterhin Verbesserungen festzustellen waren.
Diese Ergebnisse müssen jedoch vorsichtig interpretiert werden. Die Studie war relativ klein, umfasste keine Kontrollgruppe ohne Fasten und kombinierte längeres Fasten mit anschließenden Ernährungsumstellungen. Daher lässt sich noch nicht bestimmen, in welchem Umfang die beobachteten Verbesserungen auf das Fasten selbst zurückzuführen sind.
Weitere kontrollierte klinische Studien sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen und festzustellen, welche Patientinnen und Patienten am meisten profitieren könnten.
Der Ansatz von Buchinger Wilhelmi: Individuelle Betreuung steht an erster Stelle
Bei Buchinger Wilhelmi stützt sich das therapeutische Fasten auf mehr als 100 Jahre klinische Erfahrung und wird fortlaufend durch wissenschaftliche Forschung weiterentwickelt.
Unser Ansatz beruht auf einem grundlegenden Prinzip: Jeder Mensch ist anders, und jede therapeutische Maßnahme muss an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden.
Bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen und Patienten mit Parkinson im Frühstadium kann medizinisch begleitetes Fasten nach einer umfassenden ärztlichen Untersuchung in Betracht gezogen werden.
Fasten ist jedoch nicht für jeden Menschen geeignet.
Mit fortschreitender Parkinson-Krankheit können bei manchen Patientinnen und Patienten unbeabsichtigter Gewichtsverlust, Nährstoffmangel oder eine Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft auftreten. Unter diesen Umständen kann längeres Fasten zusätzliche Risiken bergen.
Unser Ärzteteam beurteilt daher sorgfältig den allgemeinen Gesundheitszustand, den Ernährungszustand, die körperliche Verfassung, die laufende Medikation und das Krankheitsstadium jedes einzelnen Menschen, bevor geprüft wird, ob Fasten geeignet sein könnte.
Wenn Fasten nicht ratsam ist, können individuell abgestimmte Ernährungsstrategien eine alternative Möglichkeit bieten, Gesundheit und Wohlbefinden zu unterstützen.
Der Schutz der Gesundheit der Patientinnen und Patienten hat stets Vorrang, während wir die am besten geeigneten Therapieoptionen prüfen.
Ausblick: Eine ermutigende Forschungsrichtung
Das wachsende wissenschaftliche Interesse an Fasten und neurologischer Gesundheit eröffnet neue Möglichkeiten, die Zusammenhänge zwischen Stoffwechsel, Ernährung und chronischen Erkrankungen besser zu verstehen.
Für die Parkinson-Krankheit ist die derzeitige Evidenz noch vorläufig. Therapeutisches Fasten ist nicht als Behandlung etabliert, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt oder umkehrt, und darf die konventionelle medizinische Versorgung niemals ersetzen.
Dennoch sprechen erste klinische Ergebnisse und sorgfältig dokumentierte Erfahrungen von Patientinnen und Patienten dafür, das Potenzial des Fastens als ergänzenden Ansatz weiter zu untersuchen.
Bei Buchinger Wilhelmi sind wir überzeugt, dass medizinischer Fortschritt aus dem Zusammenspiel von wissenschaftlicher Neugier, klinischer Erfahrung und individueller Betreuung entsteht.
Wir verfolgen neue Forschungsergebnisse und stellen zugleich sicher, dass jede therapeutische Entscheidung an den Bedürfnissen und am Wohlbefinden des einzelnen Menschen ausgerichtet bleibt.
Erfahren Sie mehr über therapeutisches Fasten und unseren medizinischen Ansatz bei Buchinger Wilhelmi.
Wissenschaftliche Quelle: Hansen B. et al., Prolonged Fasting Followed by Time-Restricted Eating Improves Motor and Non-Motor Symptoms in Parkinson’s Disease. Preprint, DOI: 10.2139/ssrn.5930561.
Dokumentarfilm: ARTE, Re: Mit Fasten gegen chronische Krankheiten. Dokumentarfilm ansehen.






