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Fasten News 04/26: Was uns die neuesten Publikationen lehren

VON DATEN ZUR PRAXIS: IHR KOMPASS IM FASTEN – APRIL 2026

Die Wissenschaft zum Thema des Fastens: was ist neu?

Regelmäßig prüfen wir neu veröffentlichte Studien aus führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Einige bestätigen das, was wir bereits in der klinischen Praxis seit Jahrzehnten beobachten. Andere fordern uns mit vereinfachten Darstellungen heraus, die einer kritischeren Betrachtung bedürfen.

Dies gilt insbesondere für ein aktuelles Cochrane-Review („Intermittent fasting for adults with overweight or obesity“), das zu dem Schluss gekommen ist, dass intermittierendes Fasten bei übergewichtigen Personen weder einer herkömmlichen Diät zur Gewichtsreduktion entspricht noch einer Intervention überlegen ist. Erwartungsgemäß führte dies zu markanten Schlagzeilen in Zeitungen und auf Websites. Wie so oft in der Wissenschaft ist die Realität jedoch differenzierter zu betrachten.

Intermittierendes Fasten als Rückkehr zum zirkadianen Rhythmus

Richtig angewendet stellt intermittierendes Fasten im Wesentlichen eine Rückkehr zu unserem physiologischen zirkadianen Rhythmus dar: Es bedeutet, innerhalb von 24 Stunden für einen bestimmten Zeitraum – typischerweise 10 bis 16 Stunden über Nacht – auf Nahrung und kalorienhaltige Getränke zu verzichten und innerhalb der verbleibenden 8 bis 14 Stunden tagsüber zu essen.

Das tägliche Fastenintervall ist nicht für alle gleich

Wenn das Fastenintervall individuell angepasst wird, kann intermittierendes Fasten:

  • natürliche Hungersignale wiederherstellen
  • das Sättigungsgefühl spürbarer machen
  • die Verdauungsfähigkeit wiederherstellen
  • zu einem stabilen, normalen Körpergewicht beitragen

Das Geheimnis liegt in der Flexibilität. Ein spätes, schweres Abendessen um 23 Uhr kann ein längeres Fastenintervall (14–16 Stunden) erfordern, um ein echtes Hungergefühl und eine gute Verdauungsbereitschaft ca. 13.00-14.00 Uhr wiederherzustellen. Im Gegensatz dazu kann ein leichtes Abendessen um 18 Uhr dazu führen, dass sich das Hungergefühl am nächsten Tag bereits gegen 9–10 Uhr morgens regeneriert.

Ein Blick über die Schlagzeilen hinaus

In dem Cochrane-Review wurden nahezu 18.000 Abstracts gesichtet, doch letztlich nur eine kleine Anzahl an Studien einbezogen. Diese Studien basieren auf sehr unterschiedlichen Fastenmethoden, darunter auch das alternierende Fasten, eine Methode, die in der klinischen Praxis kaum Anwendung findet und bei der sich Tage mit Nahrungsaufnahme und Tage mit ausschließlich Wasseraufnahme abwechseln.

Die Studiendauer reichte von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Selbst die Autoren, ebenso wie viele unabhängige Experten, äußerten nur eine moderate Sicherheit hinsichtlich der Ergebnisse, sowohl in Bezug auf das Körpergewicht als auch auf andere Gesundheitsparameter. Kurz gesagt: Die Evidenz ist begrenzt, heterogen und keineswegs abschließend.

Die Qualität der Ernährung ist entscheidend

Die analysierten Studien untersuchten Personen mit Adipositas und betrachteten, wann und wie lange sie fasteten. Dabei wurde jedoch nicht beachtet, was sie in den Essensphasen zu sich nahmen. Dies ist ein entscheidender Aspekt. Für Menschen mit Adipositas – häufig geprägt durch gestörte Essgewohnheiten und eine Ernährung reich an raffiniertem Zucker und ungesunden billigen Fetten – reicht nächtliches Fasten allein nicht aus. Wenn das Essensfenster weiterhin durch unausgewogene Ernährung und Überkompensation geprägt ist, ist ein Gewichtsverlust unwahrscheinlich.

Was bedeutet das für Sie?

Es ist wichtig, zwischen intermittierendem Fasten über einige Stunden täglich und dem therapeutischen Buchinger-Fasten über mehrere Tage oder Wochen zu unterscheiden. Im Gegensatz dazu führt ein längeres Buchinger-Fasten (5–21 Tage oder mehr) unter medizinischer Aufsicht zu einem signifikanten Gewichts- und Fettverlust. Noch wichtiger ist, dass die Effekte eines Buchinger Fastens über die reine Gewichtsreduktion hinausgehen und tiefgreifende metabolische Veränderungen umfassen. Dies wurde in klinischen Studien, einschließlich unserer eigenen Forschung, konsistent gezeigt.

Fasten und Typ-2-Diabetes

Eine aktuelle langfristige randomisierte Studie bei Personen mit Typ-2-Diabetes zeigte, dass zyklische fünftägige „Fasten“-Phasen über drei Monate bei einem großen Teil der Teilnehmer zu einer anhaltenden Remission führten – sogar noch drei Jahre später. In diesem Fall handelte es sich allerdings nicht um echtes Fasten, sondern um eine kalorien-, zucker- und proteinreduzierte Diät. Diese Ergebnisse unterstützen unsere klinischen Beobachtungen: Strukturiertes Fasten kann nachhaltige metabolische Anpassungen auslösen – nicht nur vorübergehenden Gewichtsverlust.

„Fasting Mimetics“: Wissenschaft oder Abkürzung?

Eine weitere Studie hat unsere Aufmerksamkeit erregt – und auch für Stirnrunzeln gesorgt. Das Konzept der „Fasting Mimetics“ ist wieder aufgekommen. Ein Nahrungsergänzungsmittel, das Spermidin und weitere Substanzen kombiniert, zeigte über acht Wochen hinweg Verbesserungen bei der Hungerregulation sowie bei mehreren kardiometabolischen Markern. Dieses jedoch als echten Ersatz für das Fasten zu bezeichnen, ist – vorsichtig formuliert – eine Übertreibung.

Fasten ist kein einzelner Mechanismus. Es ist ein koordinierter, systemischer, multidimensionaler Prozess, der folgendes umfasst:

  • hormonelle Regulation
  • metabolisches Umschalten
  • zelluläre Reparaturprozesse

Über die körperlichen Effekte hinaus hat Fasten auch:

  • eine soziale Dimension (gemeinsame Erfahrung und Solidarität)
  • eine psychologische und sogar spirituelle Dimension (Klarheit, reduzierte Angst)

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass eine Kapsel diese Komplexität abbilden kann. Verbesserungen einzelner Biomarker sollten nicht mit dem vollständigen metabolischen Zustand des Fastens verwechselt werden. Solche Aussagen bewegen sich häufig näher am Marketing als an der Wissenschaft.

Von der Wissenschaft zur Praxis: Unterstützung über die Klinik hinaus

Die Wissenschaft entwickelt sich weiter und ebenso unser Ansatz zum Fasten.
Um die langfristigen metabolischen Effekte Ihres Aufenthalts zu unterstützen, führen wir ein neues Nachsorgeprogramm ein:

Das „FastForward Programm“ begleitet Sie im Alltag nach Ihrer Rückkehr nach Hause und umfasst folgende Inhalte:

  • angeleitetes intermittierendes Fasten
  • Verhaltensveränderung durch Selbstbeobachtung
  • kontinuierliches Glukosemonitoring
  • kurze 5-tägige Fastenzyklen zu Hause („The Buchinger Fasting Box“)
  • regelmäßige Onlinesprechstunden mit Buchinger-Ärzten und Ernährungsberatern

Dieses Programm schlägt eine Brücke zwischen klinischer Erfahrung sowie Alltag und hilft Ihnen, die positiven Effekte des Fastens langfristig zu erhalten.