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Generationswechsel in Marbella

Nach 35 Jahren Klinikdirektion in Marbella, haben Jutta und Claus Rohrer beschlossen, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. Katharina Rohrer-Zaiser und Victor Wilhelmi steigen als Mitglieder der 4. Generation der Buchinger Wilhelmi-Familie in die Direktion ein. Beide Generationen trafen sich, um über Vergangenheit und Zukunft zu sprechen.

Victor: Wie lange habt Ihr beiden jetzt im Unternehmen gearbeitet?

Jutta und Claus: 35 Jahre. Wir sind im Frühjahr 1982 hier angekommen und haben angefangen in Marbella zu arbeiten.

Victor: Wie viele Mitarbeitende gab es damals?

Claus: Um die 60 Mitarbeitende. Inzwischen sind es ca. 190 Mitarbeitende. Die Belegschaft hat sich verdreifacht. Im Gegensatz zu der Belegung der Patienten, welche sich „nur“ verdoppelt hat.

Victor: Hast Du Dein erstes Fastenerlebnis auch in der Klinik gehabt?

Claus: Nein, mein erstes Fastenerlebnis hatte ich – das ist das schöne Kuriose – bevor ich Jutta kennengelernt habe. Die Geschichte war so: Eine damalige Freundin hatte 1973 dieses Buch in die Hand bekommen, von Lützner, „Neugeboren durch Fasten“, damals ein Bestseller. Sie hatte es ausprobiert und nach dem Motto „was Du kannst, kann ich auch” habe ich dann auch das erste Mal gefastet – bereits 1973! Meinen ersten richtigen Fastenaufenthalt hatte ich jedoch in Überlingen.
Jutta: Nach dem 1. Kind (Katharina), so mit 29 Jahren, habe ich in Überlingen gefastet.

Katharina: Wie wurde der Entschluss gefasst, hierher zu kommen?

Jutta: Ziemlich schnell. Meine Eltern (Helmut und Maria) haben uns angerufen und angefragt, ob wir Interesse haben, nach Marbella zu kommen. Wir haben uns dann zusammengesetzt, eine Pro und Kontra-Strichliste gemacht und in weniger als einer Woche hatten wir uns entschieden. Damals hatte man alles mehr nach Bauchgefühl gemacht – und so ist die Klinik hier entstanden!
Claus: Die Vorstellung, hier einsteigen zu können, einen Beitrag zu leisten und ins Management zu gehen und das in Verbindung mit all den anderen schönen Qualitäten, die das Leben hier mit sich bringt – das war unheimlich spannend und aufregend.

Victor: Wie war das Arbeiten mit Oma Maria? Das muss ja eine dynamische Runde gewesen sein: Wie war die Zusammenarbeit damals?

Jutta: Also die Richtung, die hat sie vorgegeben.
Claus: Helmut Wilhelmi war hier sehr stark organisatorisch tätig. Wichtige Entscheidungen und Investitionen wurden ganz klar von ihm dominiert. Das Gute war aber, dass ich sehr schnell das Vertrauen bekommen habe; auch von meiner Schwiegermutter, so dass ich relativ schnell freie Hand bekam. Und dadurch, dass ich jeden Tag mit ihr gefrühstückt habe, war da natürlich sehr viel Austausch, ich habe sehr viel von ihr gelernt was Fasten und die Betreuung der Mitarbeitenden betrifft.

Katharina: Was hat sich, wenn Ihr so zurückdenkt, am meisten in der Klinik verändert?

Jutta: In den 1990ern fing eigentlich der Fastenboom an, die Klinik wurde sehr voll. Es gab erstmals eine Warteliste, die über ein halbes Jahr lang war. Das war einfach unglaublich!
Claus: Und früher waren auch die Spanier unter den Gästen gleich stark vertreten wie die Deutschen.
Jutta: Das war so: 40 % Spanier, 40 % Deutsche und 20 % andere Nationalitäten. Erst später kamen dann die Franzosen und Gäste aus anderen Regionen der ganzen Welt.
Claus: Der größte Unterschied für mich ist, dass wir heute viel professioneller arbeiten als damals. Und auch, dass wir uns vergrößert haben, in jeder Hinsicht – mehr Räume, mehr Mitarbeitende, mehr Patienten, mehr Therapien, also: ein permanentes Wachstum.

Victor: Gab es auch Krisenmomente? Wo wurdet Ihr richtig auf die Probe gestellt?

Jutta: Der Golfkrieg in den 1990ern war hart! Da habe ich mit den Patienten eine Friedensmeditation gemacht.
Claus: In den 90ern gab es schon einige Knackpunkte was das Professionelle betrifft. Wir haben Anfang der 90er Jahre festgestellt, dass – obwohl wir so gut belegt waren – gar nicht so gute Zahlen und wirtschaftlichen Erfolg hatten.

Katharina: Was sind die Highlights, wenn Ihr zurückdenkt?

Jutta: Das 30. Jubiläum war sehr schön! Das war sooo kreativ! Es gab die Melodie „Cumpleaños Feliz“ (Happy birthday) als Tango, als ungarischen Czardas, als Menuett, als Jazz, etc. Ich bin mit unserem Tanzlehrer Miguel noch nach Malaga zu dem Kostümverleih gefahren und wir haben verschiedene Genres und Tänze mit den passenden Kostümen getanzt und gespielt. Es war wunderschön!! Ein öffentliches Fest mit 300 Gästen aus Marbella und Umgebung.
Claus: Für mich ist es unglaublich, dass in unserer relativ kleinen Klinik die ganze Welt zusammenkommt. Wenn man da an die verschiedenen Religionen und Kulturen, die verschiedenen Generationen denkt: In unserer Klinik ist eine richtige Atmosphäre des Zusammenlebens entstanden. Das ist so etwas Positives, dass so was möglich ist in der heutigen Welt, in der wir leben. Dass Buchinger Wilhelmi es schafft, hier eine so friedliche Welt, wo alle glücklich sind, zusammen zu bringen.
Jutta: Und das merkst Du am meisten zu Weihnachten. Vielleicht schafft das auch das Fasten!
Claus: Am schönsten sind eigentlich immer die menschlichen Begegnungen. Ein ganz toller Moment war für mich, zum ersten Mal Max Frisch zu treffen und einfach so mit ihm zu plaudern. Er hat mir dann noch eine Widmung in das Buch geschrieben, das er mir zum Abschied schenkte und sich bei mir bedankt. Beruflich waren meine Highlights natürlich die großen Investitionen, die wir 2010/2012 mit dem Bau der Villa Maria gemacht haben: Dass das so ein Erfolg wurde gegen Ende der Karriere ist natürlich eine tolle Befriedigung! Jutta und Claus Rohrer bei der Eröffnung der Villa Maria 2012.

Victor: Seht Ihr, dass sich die Patienten verändert haben? Sind das Profil und die Bedürfnisse heutzutage anders?

Jutta: Ich denke, dass die Menschen, die heute zu uns kommen, viel mehr Aufmerksamkeit brauchen. Das Fasten funktioniert natürlich nach wie vor. Aber ich denke, dass die Menschen heute vielleicht bedürftiger sind. Sie brauchen mehr Ruhe, müssen mehr zu sich kommen. Das wird, glaube ich, mit eine der Hauptaufgaben in der Zukunft sein. Weil die Welt, so wie sie ist, die Menschen unglaublich fordert – vor allem innerlich. Unsere Gäste sind mittlerweile weniger körperlich krank, aber seelisch bedürftiger.
Claus: Ich sehe aber auch, dass sie generell aufgeklärter sind als früher, was die Gesundheit betrifft. Aber das Problem ist das Umsetzen.

Victor: Wir sind ein Familienunternehmen. Wie wichtig, glaubt Ihr, ist es für die Mitarbeitenden, dass es ein Familienunternehmen ist?

Jutta: Es war schon immer so, dass wir wie eine große Familie waren. Das hat Deine Oma sehr geprägt. Sie hat immer mit allen Mitarbeitenden Kontakt gehabt. Sie wusste, wer was macht, wie es ihm geht, und kannte die Familienverhältnisse, usw. Dieses ganz Persönliche – obwohl wir so groß geworden sind – denke ich, konnten wir uns trotzdem beibehalten.
Claus: Es ist ein ganz ganz wichtiges Fundament für unseren Erfolg, dass wir ein Familienunternehmen sind. Dadurch kann man auch den Geist weitergeben, gerade jetzt in der 4. Generation, aber auch die Werte, die wir vertreten. Victor: Denke ich auch. Wir kennen das Unternehmen von Kindesbeinen an: ich in Überlingen und Katharina vor allem hier in Marbella. Ich kann mich auch erinnern, dass man seit wir kleine Kinder waren, in der Klink immer sehr gut über uns Bescheid wusste. Und ich habe immer eine große Nähe zu den Mitarbeitenden gespürt.
Katharina: Dein Elternhaus liegt ja auch 3 Gehminuten entfernt und mit Blick auf die Klinik in Überlingen. Und ich bin als Kind bei Maria Buchinger groß geworden, die auch nur 1 Gehminute von der Klinik in der Mariposa gewohnt hat. Von daher war man auch physisch von Kindesbeinen an präsent. Wenn ich mich heute Patienten vorstelle, dann sagen die: „Ach, Dich kenne ich doch von klein auf. Du warst doch bei den Flamencoabenden damals dabei!“

Claus: Von welchen Kriterien war Eure Entscheidung, hierher nach Marbella zu kommen, geprägt?

Katharina: Ich bin ja die Älteste der 4. Generation und habe lange Zeit in Stuttgart und in Mannheim gelebt und in einem anderen Unternehmen gearbeitet und irgendwann von Raimund Wilhelmi dann eine Stelle in der Klinik in Überlingen angeboten bekommen. Ich hatte schon gemerkt, dass das Arbeiten in anderen Firmen nicht so erfüllend ist und mich nach etwas anderem umgeschaut. Dann habe ich mich entschieden, es im Familienunternehmen zu versuchen. Und habe festgestellt, dass ich mit viel mehr Motivation und Elan und Freude an die Arbeit gehe! Als ich mein Kind bekommen habe, war für mich schnell klar, ich möchte doch gerne zurück an die Basis, nach Marbella, da wo ich herkomme, wo meine Eltern leben. In Familienstrategiesitzungen sprachen wir über die Zukunft des Unternehmens und wir haben erfahren, dass Ihr Euch langsam zurückziehen wollt. Da habe ich die Chance ergriffen zu sagen, dass ich Interesse habe in Marbella mitzuarbeiten. Das war für mich eine sehr gute zeitliche Fügung!
Victor: Ich bin im Internat gewesen, recht nah an unserem Haus in Überlingen. Wir hatten am Wochenende immer ein prallgefülltes Haus mit Freunden aus dem Internat: Das waren die Anfänge, wo ich gemerkt habe, dass ich gerne Gastgeber bin. Dann habe ich Hotellerie in der Schweiz studiert und irgendwann kam dann auch der Moment, nachdem ich an verschiedenen Projekten gearbeitet hatte, als ich bemerkt habe „ok, ich kann jetzt etwas dazu beitragen – ich kann dem Unternehmen jetzt einen Mehrwert geben.“ Auch in diesen Familienstrategiesitzungen, wo es immer konkreter wurde, kam irgendwann der Entschluss: „Ich mache es hier in Marbella zusammen mit Katharina.“ Wir aus der 4. Generation verstehen uns einfach auch gut. Die Möglichkeit wurde immer attraktiver. Jetzt sind wir schon 1 ½ Jahre hier und ich muss sagen, dass ich die Entscheidung bis heute kein bisschen bereut habe. Wir wurden sehr gut empfangen von den Gästen und Mitarbeitenden.

Claus: Wieviel ist noch vom Ursprung präsent?

Katharina: Ich glaube an sich sehr, sehr viel. Weil wir einen engen Bezug hatten zu Maria Buchinger, die den Ursprung von der Basis an gelernt hat, mit ihrem Vater zusammen, Otto Buchinger. Wir haben sie wirklich noch sehr aktiv erlebt, als Großmutter, aber auch als Senior-Direktorin. Vom Ursprung, was wichtig ist, was Fasten alles kann, warum es so wichtig ist, sich um jeden Patienten individuell zu kümmern – ich glaube, das haben wir alles von ihr mitbekommen. Wenn wir jetzt mit Patienten sprechen, sagen sie es uns: „Man spürt es. Man spürt irgendwie Maria. Es hat alles noch ihre Handschrift, und bewahrt das bitte.“ Und wir sind uns absolut einig darüber, dass wir das auf jeden Fall bewahren wollen, weil wir sonst einfach nicht mehr Buchinger Wilhelmi sind. Das werden wir behüten wie einen Schatz!
Victor: Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den Du erwähnst: Wir werden oft daran erinnert von den Gästen, die schon so lange zu uns kommen, wie es früher war, und was das Fundament ist. Man könnte es mit einem Baum vergleichen, wo der Baumstamm das Fundament, die Methode, die Werte, die Zuneigung bleiben, aber die Äste verändern sich – man muss auch mit der Zeit gehen. Wie Jutta es gesagt hatte, das Gästeprofil und die Anforderungen ändern sich. Trotzdem sollte man Bewährtes, solange es Sinn macht, beibehalten. Maria hatte immer das Motto: „Wenn’s Lebensqualität und die Gesundheit fördert, dann warum nicht?“

Claus: Da ist dieses Spannungsfeld von einerseits Tradition und dem bisherigen Erfolg und anderseits den neuen Ansprüchen, neuen Märkten, Euren eigenen Interessen. Habt Ihr Vorstellungen wie Ihr diese beiden Schwerpunkte miteinander vereinen wollt ?

Victor: Ich denke, Buchinger Wilhelmi ist ein Unternehmen, das eine sehr, sehr gute Basis hat. Ich glaube, was wir machen müssen, ist unsere Methode zu stärken und weiterzuentwickeln. Aber auch vor allem am Gast bleiben. Wenn wir den Gästen die gleiche Aufmerksamkeit schenken wie Ihr, werden wir von ihnen erfahren, was ihre Bedürfnisse sind und wie wir darauf eingehen können.
Katharina: Eine Evolution!
Jutta: Unsere Methode ist nach wie vor sehr zeitgemäß, mehr denn je vielleicht. Ich glaube nicht, dass es schwer ist, die Basis beizubehalten und sich trotzdem weiterzuentwickeln.

Katharina: Ich hätte gerne von Euch die Geschichte mit der Kerze erklärt bekommen: Warum habt Ihr uns vor 1 ½ Jahren eine Kerze überreicht?

Jutta: Das ist die Geschichte von einem Mann, dessen Unternehmen nicht gut lief. Er ist zu einem Weisen gegangen und hat gesagt: „Was soll ich denn machen? Mein Unternehmen läuft nicht.“ Dann hat der Weise ihm eine Kerze gegeben und hat gesagt: „Diese Kerze musst Du, angezündet, jeden Tag in jeden einzelnen Raum Deines Unternehmens bringen.“ Und das hat er gemacht. In Null Komma nichts florierte das Unternehmen. Die Idee ist, präsent zu sein, überall rumschauen und die Augen offenhalten.

Victor: Wird man Euch in der Klink noch sehen?

Jutta: Ab und zu.
Claus: Punktuell schon. Wir sind natürlich da, wenn Ihr uns braucht, als Rückendeckung in speziellen Dingen. Und natürlich gibt es auch Patienten, die wir sehr gut kennen, und die wir gerne wiedersehen möchten oder besondere Anlässe.
Victor: Wir würden uns freuen.
Katharina: Vielleicht gibt es ab und zu ja wieder traditionelle Frühstücke wie bei Maria Buchinger?!

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