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Wie beeinflusst Fasten die Darm-Hirn-Achse?

FASTEN IM FOKUS DER DARM-HIRN-ACHSE

Neue Einblicke vom ersten Kongress für Psychoneuroimmunologie

Beim ersten Internationalen Kongress der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Psychoneuroimmunologie am 14. November 2025 in Granada stellte unser wissenschaftlicher Leiter, Dr. Robin Mesnage, neue Erkenntnisse darüber vor, wie Fasten auf das Zusammenspiel zwischen Darm, Immunsystem und Gehirn wirkt. Die Veranstaltung führte Forschende aus Neurowissenschaften, Immunologie und Stoffwechsel zusammen und machte deutlich, wie eng diese Systeme miteinander verwoben sind und wie strukturierte Fastenformen diese Verbindungen positiv beeinflussen können. Moderne Studien stützen diesen ganzheitlichen Blick zunehmend.

Fasten gilt seit Langem als eine der zuverlässigsten Strategien zur Förderung gesunder Langlebigkeit, die in vielen Arten beobachtet wurde. Von einfachen Organismen bis hin zu Säugetieren kann eine rhythmisch reduzierte Nahrungsaufnahme die Lebensspanne verlängern, die metabolische Flexibilität fördern und tiefgreifende zelluläre Reparaturprozesse aktivieren. Viele dieser Veränderungen beginnen im Darm – einem zentralen Schaltpunkt für Stoffwechsel und Immunität – und entfalten ihre Wirkung anschließend im Immunsystem sowie im Nervensystem. Diese Zusammenhänge helfen zu verstehen, wie Ernährung die Darm-Hirn-Achse beeinflusst und wie stark sie an der inneren Kommunikation des Körpers beteiligt ist.

Der Darm als Zentrum für Stoffwechsel und Immunsystem

Der Darm beherbergt ein komplexes mikrobielles Ökosystem, große Anteile des Immunsystems und das enterische Nervensystem – häufig als „zweites Gehirn“ bezeichnet. Wenn sich die Nahrungszufuhr während des Fastens verändert, reagiert dieser Bereich besonders schnell. Mikrobielle Gemeinschaften ordnen sich neu, die Verdauungsaktivität verlangsamt sich und die Darmschleimhaut beginnt natürliche Regenerationsprozesse. Studien an Menschen und Tieren zeigen, dass sich Entzündungsmarker besonders bei Personen mit erhöhter Ausgangsentzündung reduzieren können.

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Gleichzeitig finden sich Hinweise auf eine stabilere Stoffwechsellage bei Menschen mit chronischer Immunaktivierung. Diese adaptiven Reaktionen stehen im Zentrum der Psychoneuroimmunologie – jenes Forschungsfeldes, das untersucht, wie das Immunsystem das Gehirn und das Verhalten beeinflusst.

Die Darm-Hirn-Achse während des Fastens

Die Darm-Hirn-Achse ist ein wechselseitiges Kommunikationssystem zwischen Darm und Gehirn, das über Nervenbahnen, Immunbotenstoffe und Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen funktioniert. Wenn Fasten die Aktivität im Darm verändert, verändern sich auch die Signale, die an das Gehirn weitergegeben werden.

Bestimmte Mikroben, die während des Fastens verstärkt vorkommen, produzieren kurzkettige Fettsäuren und andere Substanzen, die positiv auf Gehirnfunktionen wirken können. Gleichzeitig führt eine beruhigte Immunreaktion im Darm zu weniger entzündlichen Signalen, die Stimmung, Denkprozesse und Stressverarbeitung beeinflussen. Fasten wirkt dadurch nicht isoliert auf einzelne Bereiche, sondern initiiert eine koordinierte Neuausrichtung über mehrere miteinander verbundene Systeme.

Das orale Mikrobiom und das Gehirn: Eine häufig übersehene Verbindung

Das Mikrobiom des Mundes – die Gesamtheit der dort lebenden Mikroorganismen – spielt eine wichtige Rolle für die kardiovaskuläre und mentale Gesundheit, wird jedoch in der Forschung häufig weniger beachtet.

Neue Studien zeigen, dass bestimmte schwefelbildende Bakterien im Mund entzündungsfördernde Prozesse beeinflussen können und dass Fasten die Zusammensetzung dieser mikrobiellen Gemeinschaft verändert. Das deutet darauf hin, dass Fasten auch im Mundraum Prozesse auslösen kann, die breitere metabolische und immunologische Veränderungen unterstützen – ergänzend zu den Effekten im Darm.

Da Mund und Darm einen zusammenhängenden Verdauungstrakt bilden, der kontinuierlich mit dem Immunsystem und dem Gehirn kommuniziert, entsteht durch die gemeinsame Betrachtung beider Bereiche ein umfassenderes Bild davon, wie Fasten die Gesundheit auf mehreren vernetzten Ebenen beeinflusst.

Zusammenhänge erkennen

Die Psychoneuroimmunologie zeigt eindrücklich, dass der Körper nicht aus getrennten Systemen besteht, sondern als verbundenes Ganzes agiert. Werden Stoffwechsel, Immunaktivität und Gehirnfunktionen gemeinsam betrachtet, werden Muster sichtbar, die zuvor komplex oder widersprüchlich erschienen.

Der Kongress in Granada stellte dieses integrative Forschungsfeld vor und zeigte, wie Lebensstilfaktoren – insbesondere Ernährung – die Kommunikation zwischen Darm, Immunsystem und Gehirn prägen. In diesem Zusammenhang rückt das Fasten besonders in den Fokus. Es verdeutlicht, wie eine einzige Intervention mehrere Systeme gleichzeitig beeinflussen kann: Von der Zusammensetzung mikrobieller Gemeinschaften über stabilere Immunbotschaften bis hin zu veränderten neuronalen Signalen. Diese koordinierten Antworten weisen darauf hin, dass Fasten dazu beitragen kann, eine gesunde Kommunikation innerhalb der zentralen Regulationsnetzwerke des Körpers zu fördern.

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