LANGZEITFASTEN
Fasten und Abnehmen: Ein praktischer, wissenschaftlich fundierter Leitfaden
Für viele Menschen ist Gewichtszunahme nicht die Folge einer einzelnen ungünstigen Gewohnheit, sondern eine Entwicklung, die sich über Jahrzehnte langsam einschleicht. Mit zunehmendem Alter nimmt die körperliche Aktivität häufig ab, der tägliche Energiebedarf sinkt unbemerkt, während Essmuster, Portionsgrößen und Lebensmittelwahl oft weitgehend gleich bleiben. Kommen Stress, bequeme Verfügbarkeit von hochverarbeiteten Lebensmitteln und ein dichter Alltag hinzu, wird Gewichtszunahme eher zur Regel als zur Ausnahme. Es überrascht daher nicht, dass Gewichtsabnahme zu den häufigsten Gründen gehört, warum Menschen das Fasten als Weg für sich entdecken.
Fasten kann diesen Kreislauf auf eine Weise unterbrechen, die über ein bloßes „Weniger Essen“ hinausgeht. Zunehmend zeigt die Forschung, dass Fasten Stoffwechselanpassungen auslöst, die Gewichtsabnahme und eine langfristige Gewichtsstabilisierung unterstützen können. Damit kann es das Krankheitsrisiko senken und dem Körper helfen, die Nutzung und Speicherung von Energie neu zu regulieren. Aus diesem Grund wird das Fasten in der Forschung zunehmen als Ansatz betrachtet, die Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen.
Als Teil 1 unserer Serie zu Fasten und Gewichtsabnahme widmet sich dieser Beitrag dem Langzeitfasten, meist definiert als Fasten über mehr als drei Tage. Wir beleuchten, was dabei im Körper geschieht, warum sich die Gewichtsabnahme von klassischen Diäten unterscheidet und was Sie von einem medizinisch begleiteten Fastenerlebnis bei Buchinger Wilhelmi erwarten können.
Warum Fasten als therapeutisch gilt
Im Alltag beziehen die meisten Menschen ihre Energie fast ausschließlich aus Zucker. Man kann sich das vorstellen wie eine dauerhafte Verbindung zum Stromnetz.
Jedes Mal, wenn wir Kohlenhydrate essen, wird das Hormon Insulin ausgeschüttet. Insulin hilft, Zucker in die Zellen zu transportieren, damit dieser als Energie genutzt oder für später gespeichert wird. Die Hauptaufgabe des Zuckers ist somit das Speichern.
Wenn wir über den Tag hinweg häufig essen, bleibt Insulin erhöht und der Körper bleibt im Modus der Zuckerverbrennung. In diesem Zustand ist der Zugriff auf Körperfett begrenzt. Fettverbrennung wäre wie eine zuverlässige Energiequelle abseits des Netzes, ruhig und stabil, doch sie kommt selten zum Einsatz, weil der Schalter kaum umgelegt wird.

Fasten setzt genau hier an. Durch die längere Zeit ohne Nahrung werden zunächst die schnell verfügbaren Zuckerspeicher aufgebraucht, also das Glykogen. Wenn Insulin niedrig bleibt, wird gespeichertes Fett zugänglich. Fettsäuren werden freigesetzt und die Leber wandelt einen Teil davon in Ketonkörper um. Diese dienen dem Gehirn und den Muskeln als saubere und effiziente Energiequelle. Dieser Zustand wird Ketose genannt. Viele sind überrascht, dass das Hungergefühl in dieser Phase häufig nachlässt und die Energie als stabiler erlebt wird. Das ist einer der Gründe, warum sich Fasten grundsätzlich anders anfühlen kann als reine Kalorienreduktion, bei der Hunger häufig dauerhaft präsent bleibt und die Energie über den Tag hinweg schwankt.

Was während des Langzeitfastens geschieht
In den ersten Fastentagen ist der Gewichtsverlust häufig besonders deutlich. Das liegt vor allem an der Mobilisierung der Glykogenspeicher in Leber und Muskeln, die viel Wasser binden. Wenn diese Speicher geleert werden, wird das gebundene Wasser frei und das zeigt sich wiederum schnell auf der Waage. Wichtig ist, diese frühe Phase zu verstehen. Dazu gehört auch die physiologische Entleerung des Darms. Das hilft, realistische Erwartungen für das zu entwickeln, was danach folgt.
Mit fortschreitendem Fasten nutzt der Körper zunehmend gespeichertes Fett als Energiequelle. Die Ketonkörperproduktion steigt, Hungersignale werden meist sanfter und viele berichten von gleichmäßiger Energie und klarerem Denken. Häufig verlangsamt sich in dieser Phase die Gewichtsabnahme, wird aber gezielter, weil der Stoffwechsel sich stärker auf Fettverbrennung ausrichtet. Studien zeigen, dass dieser anhaltende Wechsel hin zu Fett und Ketonen anstelle von Zucker mit niedrigeren Entzündungswerten und einer stabileren Energie Regulation zusammenhängt.
Woraus das Abnehmen tatsächlich besteht
Wie viel Gewicht während des Fastens verloren geht, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Alter, Geschlecht, Ausgangsgewicht, Aktivitätsniveau und individuelle Physiologie spielen eine Rolle.
Studien bei Buchinger Wilhelmi zeigen, dass der Gewichtsverlust beim Langzeitfasten aus mehreren Komponenten besteht. Ein relevanter Anteil stammt aus Fettdepots, besonders im Bauchbereich. Ein Teil ist Wasser, das frei wird, wenn die Zuckerspeicher geleert werden. Ein kleinerer Anteil entsteht durch den Abbau älterer oder geschädigter Strukturen im Rahmen der Autophagie, einem zellulären Recyclingprozess. Gleichzeitig arbeitet der Körper aktiv daran, gesunde Muskulatur so gut wie möglich zu erhalten.
Das erklärt, warum sich das Tempo nach den ersten Tagen verlangsamt. Der Körper wird selektiver und setzt eher auf Qualität und Nachhaltigkeit als auf Schnelligkeit.
Warum Bauchfett besonders relevant ist
Bauchfett ist nicht nur eine Frage der Optik. Es liegt tief im Bauchraum, umgibt wichtige Organe und steht in engem Zusammenhang mit gestörter Blutzuckerregulation, Veränderungen der Leber, erhöhtem Blutdruck sowie einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Im Vergleich zu vielen konventionellen Ansätzen führt Langzeitfasten besonders konsistent zu einer Reduktion des Taillenumfangs. Das ist häufig aussagekräftiger als das Körpergewicht allein, weil es das Fettgewebe betrifft, das am stärksten mit Krankheitsrisiken verbunden ist.

Langzeitfasten als Reset
Crash-Diäten basieren oft auf Einschränkung und Willenskraft, weshalb Gewichtszunahme danach so häufig der Fall ist. Langzeitfasten funktioniert anders. Es schafft eine Pause, körperlich und psychologisch, die es ermöglicht, wieder einen Zugang zu echtem Hunger, Geschmack und bewussteren Essentscheidungen zu finden.
Wenn Fasten medizinisch begleitet wird und Ruhe, sanfte Bewegung sowie Reflexion einschließt, wird es mehr als eine Maßnahme zur Gewichtsabnahme. Es wird zu einem strukturierten Reset, der helfen kann, festgefahrene Muster zu lösen und nachhaltige Veränderung zu unterstützen, statt nur kurzfristige Ergebnisse zu erzielen.
Zusammengefasst
Für manche Menschen sind Intervallfasten oder Scheinfasten-Programme praktischer im Alltag. Langzeitfasten bietet jedoch eine therapeutische Tiefe, die über Gewichtsabnahme hinausgeht. Es lässt sich nicht immer leicht in das normale Leben integrieren. Deshalb kann ein Klinikaufenthalt als geschützter Rahmen besonders unterstützend sein.
Indem der Körper lernt, Fett effizienter als Energiequelle zu nutzen, unterstützt Langzeitfasten über die Zeit eine gesündere Gewichtsregulation. Es kann Prozesse stabilisieren, die mit chronischen Erkrankungen verbunden sind, und sowohl körperliches als auch mentales Wohlbefinden fördern. Für viele ist der Gewichtsverlust nicht das Ziel an sich, sondern ein sichtbares Zeichen dafür, dass darunter tiefere und nachhaltigere Veränderungen in Gang kommen.
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